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Canor Virtus A3 Testbericht
Was lange braucht, wird länger währen
Der heiß ersehnte Canor Virtus A3 All-in-one Verstärker hat einiges zu bieten, unter anderem ein innovatives Bedienkonzept und eine Röhrenvorstufe plus Current-Dumping-Endstufe.
Bereits zur High-end Messe 2023 in München war schon die Rede von einem neuen Verstärker im Sortiment der slowakischen HiFi-Schmiede Canor. Erste Eindrücke von einem berührungssensitiven Lautstärke-Regler mit Anzeigefunktionen und die Information, dass es sich um ein spezielles Schaltungsdesign als Hybrid von Röhre und Transistor handelt, haben aufhorchen lassen. Auch die Tatsache, dass ein integrierter DAC mit an Bord ist, hat Fans von All-in-one Lösungen angesprochen. Es hat dann etwas gedauert bis zur Serien-Reife. Aber nun steht der Virtus A3 in den Startlöchern und wir brennen darauf ihn zu testen. Mindestens so erhitzt wie die Vorstufen-Röhren beim Vorglühen.
Wo anfangen? Vielleicht mal damit, was Canor unter einem All-in-one Gerät versteht. Laut dem Hersteller liest sich das dann so: Der Virtus A3 ist ein Dual-Mono Hybrid Class A/AB Verstärker mit einer vollständigen Palette digitaler und analoger Eingänge, der einen Endverstärker, einen Phono-Vorverstärker, einen Kopfhörerverstärker und einen DAC integriert. Und was ist Virtus? Auch da erhalten wir Auskunft: Virtus war eine spezifische Tugend im antiken Rom und trägt Konnotationen von Tapferkeit, Männlichkeit, Exzellenz, Mut, Charakter und Wertschätzung, wahrgenommen als maskuline Stärken. Na gut, so viel zum Marketing-Sprech. Kommen wir zur Hifi-Realität. Eine umfassende Ausstattung kann man dem Produkt nicht absprechen. Ich vermisse zwar einen integrierten Streamer nicht, aber es sei für diejenigen erwähnt, die sich (wie etwa im Arcam SA35) auch diese Funktion gewünscht hätten. Ansonsten wird fürs Geld viel geboten.
Innovationen und Traditionen
Und wieso hat es so lange mit dem Marktstart gedauert? Da gibt es kein offizielles Statement, aber man kann davon ausgehen, dass man ein ausgefeiltes, tadellos funktionierendes und den Klangidealen des Hauses verpflichtetes Gerät den Kunden offerieren wollte. Und gut Ding braucht halt Weile. Und Herausragendes eben noch länger. Zudem hat man mit dem Bedienkonzept tatsächlich etwas Innovatives auf die Beine gestellt. Ich mag diese Steuereinheit gar nicht Knopf nennen, denn das wäre beinahe eine Beleidigung. Zur Bedienung und den Möglichkeiten komme ich später noch. Vorher möchte ich auch das Verstärkerkonzept aufs Tablet bringen. Das ist zwar nicht neu, denn die zugrundeliegende Idee des Current Dumping stammt aus den 1970er Jahren und wurde von Quad für die legendäre und revolutionäre Endstufe 405 entwickelt. Ziel des Current Dumping ist eine hohe Spannung und eine rasche Abgabe von Impulsen aus stabilen Stromquellen, um niederohmige Lasten (also die Lautsprecher) impulsstabil zu treiben. Daraus ergeben sich typische Vorteile wie sehr schnelle Transienten, geringerer Klirr bei hohen Belastungen sowie eine potenziell bessere Impulsreaktion im Bassbereich.
Unterscheidungsmerkmal zu vielen klassischen Class-AB-Lösungen: Der Fokus liegt auf der kontrollierten Stromabgabe über spezialisierte Transistor-/FET-Architekturen und parallele Strompfade, statt nur Spannungs- oder Klasse-AB-Verhalten. Doch so eine Schaltung hat “Nebenwirkungen” für die Produktentwicklung: Es ergibt sich dadurch eine größere Komplexität, man muss sich besonders um die Kühlung und Temperaturstabilität kümmern, Phasen- und Ausgangsimpedanz-Management sind ebenso kritischer handzuhaben. Aber alles für den guten oder besseren Klang! So sieht das auch John Westlake, der Mastermind hinter dem Virtus A3 und Fan der Current Dumping Schaltung.


Ein Mann mit Visionen und Ideen
Der britisch-tschechische HiFi-Designer ist ein Autodidakt und hat keine formale Ausbildung im Elektronikbereich. Aber er dürfte ein großes Talent und eine besondere Beobachtungsgabe besitzen. Denn er lernte Elektronik durch Beobachtung der Tätigkeiten seines Vaters. In seiner frühen Karriere arbeiteten er bei Pink Triangle, wo er 1991 für das Design des DaCapo DA-Wandlers verantwortlich war. Bei Cambridge Audio entwarf er später mehrere preisgekrönte Produkte, darunter DAC Magic, CD4/CD4SE/CD6, DAC 123, ISO Magic. Zudem hält er Patente im Bereich Feedback-Regler für PWM-Verstärker und Signalverarbeitung und er ist bekannt für Arbeiten an Class-D-Verstärkertechnologie. Er arbeitete als Entwickler auch für Peachtree Audio, wo er mit dem Nova (D/A integrierter Verstärker) die Auszeichnung “Budget Product of the Year 2009” von Stereophile einheimste. Auch mit seinen Produkten für Audiolab, wie etwa den 8200CD, sorgte er für Furore. Seine Kooperation mit Pro-Ject brachte auch Früchte: PreBox S2 Digital, DAC Box S2+, StreamBox S2 Ultra reihen sich da in seine Produkt-Historie ein. Und nun eben Canor.
Ein Gerät mit gutem Charakter und gutem Klang
Bei Canor kombiniert er klassische Röhren-/Transistor-Dualität mit modernen, präzisen Schaltungsansätzen. Die Current Dumping Variante zielt auf sehr schnelle, saubere Impulsantwort bei dennoch wohnraumtauglicher Verzerrungscharakteristik ab. Für den Virtus A3 konzipierte er eine moderne Adaption dieser Schaltung, bei der ein kleiner Class-A-Verstärker eine leistungsfähige Schaltnetzteil-Endstufe steuert und so laut Leistungsdatenblatt 2 x 150 Watt an 4 Ohm (2 x 100 Watt an 8 Ohm) erzeugt. Da einiges an Abwärme entstehen kann, spendierte Westlake dem Virtus A3 pro Kanal je einen Ventilator, der feinfühlig auf die Temperatur im Gehäuse reagiert. Und die Temperatur sowie die Drehzahl der Ventilatoren lassen sich im innovativen Display ablesen. Ein nettes Gimmick, finde ich. Und ich konnte niemals ein Lüftungsgeräusch im Betrieb vernehmen.
Gut aufgewärmt in den Hör-Marathon
Als HiFi-Begeisterter gibt es am Weg zur Glückseligkeit das Tal des Jammers, auch Einspielzeit genannt. Nachdem ich das Vergnügen hatte, die 18 kg des brandneuen Virtus A3 aus dem Karton aufs HiFi-Regal zu hieven, waren meine Erwartungen für die erste Bekanntschaft eher niedrig angesiedelt. Mein HiFi-Herz aber begann schon beim Aufdrehen und Zusehen der Visualisierung des Vorglühens der E88CC-Vorstufen-Röhren am Display schneller zu schlagen. Also wen die Haptik und die optische Lösung des Bedienreglers kalt lässt, duscht wohl auch mit vier Grad kaltem Wasser. Aus dem “ich hör mal kurz rein”, wurde eine sehr ausgedehnte Hör-Session. Von den ersten Takten an hat der Canor mich in einen eigenen Bann gezogen. Nicht, dass das Gehörte sich so unglaublich von bisher getestetem Equipment meilenweit absetzte. Aber die unaufdringliche Eleganz des organischen Klangbilds, das sich stets auf ein sattes und gut konturiertes Bass-Fundament stützt, sowie die Langzeit-Tauglichkeit, die sich durch die harmonische Abstimmung aller Frequenzbereich ergibt, hatte auf mich eine Faszination von Beginn an. Und ja, das Tal des Jammers kam dann nach etwa 20 Stunden des Hörens. Aber in diesen ersten Stunden hat der Canor schon gezeigt, was in ihm steckt und wozu er fähig ist: Musik so zu transportieren, dass sie einen abholt und emotional berührt. Und das ist ja die Kunst, die Audio-Entwickler anstreben und Audiophile wie den heiligen Gral suchen.

Eine Bass-Wiedergabe zum Jauchzen
Current Dumping bringt mit sich, dass eine geringe Ausgangsimpedanz bei Transienten gegeben ist. Oder weniger technisch ausgedrückt: Der Verstärker sollte schneller auf Bassimpulse reagieren und sollte auch bei hohen Pegeln stabil bleiben. Ziel ist eine saubere Impulsabgabe und gute Beherrschung von Lastwechseln. Darum habe ich besonders darauf geachtet, wie das System bei plötzlichen Bassattacken reagiert. Bleiben Verzerrungen aus? Ja sie bleiben aus. Es fehlen einem doch oftmals passende Worte, um individuelle Höreindrücke adäquat in Text zu fassen. Mir kommt das Wort “federnd” in den Sinn, wobei es vielleicht fälschlicherweise vermittelt, dass der Bass ungenau ist. Aber das Gegenteil ist der Fall, der Canor Virtus A3 hat die unteren Frequenzen vorbildlich im Griff. Ein anderer Tester meinte, dass der Canor nicht geschaffen wurde, um den Dancefloor aufzumischen. Ich sehe das anders, aus meinen Eindrücken ergibt sich überhaupt keine Einschränkungen bei den Musik-Genres. Der Canor kann Bass. Punkt. Da ich zur gleichen Zeit die Epos ES-28N auf Herz und Nieren testete, kann ich hier gleich eine Kombi-Empfehlung aussprechen: Wer den Raum für diese großen und großartigen Lautsprecher hat und im Canor den Hybrid-Verstärker seiner Wahl sieht, findet mit diesem Set wohl Freude für viele Jahre.
Bezaubernd, verzaubernd, elektrisierend
Aber der Bass-Bereich allein macht noch kein vollständiges Klangbild. Die Mitten machen die Emotionen. Die möglichst naturalistische Wiedergabe jeglicher Instrumente und Stimmen ist entscheidend. Und auch hier brilliert der Canor vorbildlich. Klavieranschläge, Gitarrensaiten-Zupfen oder Gesangsstimmen stellt er sowohl tonal auch als von der Größe der Schalquelle sehr realistisch und plastisch dar. Er zieht dabei keine über die Breite der Lautsprecher allzu weit reichende Bühne auf, er konzentriert sich darauf die Stereobühne eher nach hinten und vorne zu projizieren. Das hängt auch von anderen Parametern wie Lautsprecher, Raumakustik und Aufnahme ab, aber das war mein Eindruck im Vergleich zu anderen Verstärkern.
Zu Beginn habe ich den Canor-internen DAC nicht genutzt, um unabhängig seine Qualitäten als Verstärker beurteilen zu können. Das heißt die Zuspielung vom Innuos Streamer erfolgte über den externen DAC (Holo Audio und vom Typ R2R) und weiter per hochwertigem Neotech Cinch-Kabel in den Analog-Eingang des Canor. Denn so kann ich den direkten Vergleich mit meinem Gato Audio Verstärker ziehen. Die beiden schenkten sich in der Domäne der glaubhaften Stimmen- und Instrumenten-Wiedergabe keinen Zentimeter. Der Gato machte die meisten Stimme eine Spur voluminöser, der Canor dafür mehr transparenter. Der Canor hat beim Übergang von den unteren zu den mittleren Frequenzen die Nase etwas vorne, da es übergangsloser präsentiert wird. Der Canor hat aber auch eine andere Klangsignatur, die möglicherweise auch etwas dicker aufträgt und wärmer abgestimmt ist. Vielleicht kommen hier auch die E88-CC Röhren des Vorverstärkerzugs zum Tragen. Ich muss gestehen, dass ich meinen Magnat RV4 darum auch sehr mag, wenn es um Stimmen geht. Dieser besitzt die gleichen Röhren in der Vorstufe. Das Thema Hochton ist schnell abgehandelt: Der Canor nervt nie, präsentiert die höheren Frequenzen mit einem seidigen Glanz und der richtigen Dosis an Energie. Und man bekommt die Information, um welches Instrument es sich da handelt.
Die Sache mit “Dreh und Play”
Wenn es um die Bedienung des Virtus A3 geht, so hat sich Canor mit dem neuartigen Konzept richtig ins Zeug gelegt. An der Front thront der Canor-typische Bedienknopf (ups, jetzt habe ich es doch als Knopf bezeichnet) – ein wahres Multitalent. Ein per Microprozessor gesteuertes Schmuckstück mit Touch-Display regelt die Lautstärke in 99 Schritten, koordiniert Quellenwahl, Pegel, Werte der Tonabnehmer, DAC-Filter und einige Funktionen mehr. Sogar der Wechsel zwischen Canor-Logo und VU-Metern ist möglich. Nicht genutzte Eingänge lassen sich aus der Menüstruktur entfernen. Das Komplett-Setup erfordert anfänglich etwas Übung, zahlt sich aber aus. Der Knopf läuft sicher in einem präzisen Doppelreihenlager und fühlt sich schon beim ersten Drehen, Klicken oder Wischen erstaunlich angenehm an. Im Alltag ergänzt eine Fernbedienung den Drehknopf. Beim Hochfahren zeigt ein hübscher Leuchtring den Fortschritt der Röhren-Aufwärmphase an (ca. 20 Sekunden). Das ist jedes Mal schön anzusehen und wird mir nicht fad. Falls es warm wird, sorgen zwei nahezu geräuschlose, thermisch gesteuerte Lüfter für stabile Betriebsbedingungen. Das Display zeigt auch wie erwähnt Arbeitstemperatur und Lüftergeschwindigkeit an. Das ist nach langem ein neuartiges Bedienkonzept und unterm Strich für mich einer Innovations-Auszeichnung würdig. Da gibt es nichts zu meckern, nur reine Freude mit “Dreh und Play”. Man kann als Besitzer nur hoffen, dass diese Einheit auch langzeittauglich und nicht fehleranfällig ist.
Perfekte digitale Pfade
Für die Wandlung von digital zu analog arbeiten zwei ESS-Konverter vom Typ 9038PRO, ergänzt durch diskrete analoge Steuerungen für die DAC-Arrays. Der USB-Eingang ist galvanisch getrennt, um Brummschleifen aus lauten Computerumgebungen zu verhindern. So bleibt das empfindliche Audiosystem geschützt. Das USB-Signal wird zusätzlich an einen lokalen Referenztakt mit geringem Phasenrauschen re-synchronisiert. Das reduziert USB-Jitter erheblich. Ein RF-Filter schirmt externe Hochfrequenzstörungen ab. Zusammen sorgen diese Maßnahmen dafür, dass das externe USB-Signal sauber aufbereitet ist, bevor es den internen USB-Decoder des Virtus A3 erreicht. Der asynchrone USB-Eingang verarbeitet PCM bis 768 kHz/32 Bit und native DSD-Wiedergabe bis DSD512. Neben USB stehen optisch, coaxial und symmetrisches AES-EBU als Eingänge zur Verfügung. Alle digitalen Eingänge nutzen eine PLL (phase-locked loop, Phasenregelschleife), die Jitter in den eingehenden Signalen minimiert.
Digitale Filter als Spielwiese
Zur Draufgabe lassen sich auch noch neun digitale Filter auswählen: Fast Rolloff, Slow Rolloff, Minimum Phase Fast, Minimum Phase Slow, Linear Apodizing, Hybrid Filter, Brickwall Filter, Optimal Transient und ein MQA Filter. Damit kann man sich in feinen Schritten seinem Klangideal annähern. Digitale Filter steuern, wie ein Audiosystem Frequenzen oberhalb der Nyquist-Grenze dämpft und beeinflussen dadurch das Zeit- und Phasenverhalten: schnelle Rolloff-Filter unterdrücken Aliasing stark, verursachen aber oft Pre-/Post-Ringing; langsame Rolloff- und minimum-phase-Filter reduzieren Pre-Ringing und liefern oft natürlichere Transienten, verschieben dafür jedoch die Phase/Laufzeit; Hybrid- und apodisierende Filter versuchen Kompromisse zwischen Frequenz- und Zeitverhalten; Brickwall-Filter bieten extrem scharfe Abschneidung auf Kosten starker Zeitartefakte; Optimal-Transient-Filter optimieren Impulswiedergabe, und MQA-Filter sind proprietär auf MQA-Decodierung und -Zeit/Frequenz-Optimierung ausgelegt. Welche Variante besser klingt, ist teils messbar (Aliasing, Gruppenlaufzeit) und teils subjektiv – abhängig von Musikmaterial, Wiedergabesystem und persönlicher Präferenz. Ich blieb nach dem Probieren bei der Grundeinstellung Fast Rolloff.
DAC klingt gut
Und wie klingt der integrierte DAC? Er passt sehr gut zum Virtus A3 als Verstärker. Damit meine ich, dass die Aufbereitung über den DAC die positiven klanglichen Eigenschaften unterstützt und dieser nicht auffällt. Doch bevor ich den Vergleich mit dem externen DAC in Angriff nehmen konnte, musste ich ein USB-Kabel mit Steckertyp A auf C auftreiben. Denn der Teufel liegt ja im Detail. Mein DAC hat einen Eingang vom Typ B, der Canor eben vom Typ C. Ich hatte dann aber beide Typen zur Hand. Das eingesetzte Audioquest Diamond Kabel ist feine Ware, das eine exzellente USB-Verbindung erlaubt. Ich habe viele Songs gespielt, bei denen Stimme und Gitarre eine wichtige Rolle spielen, Sara K, Heather Nova, Melodie Gardot, Sophie Zelmani, Bruce Springsteen, Allan Taylor, David Munyon um nur ein paar zu nennen. Nie kam das Gefühl etwas zu vermissen und der integrierte DAC transportierte Musik in Bezug auf Raum, Frequenzen und Timing auf höchstem Niveau. Stimmen und Instrumente hatten stets die richtige Größe, die Phrasierungen und Transienten kamen punktgenau. Der Wechsel auf das Elektro-Genre zeigte auch mit dem internen DAC auf, wie sehr ich den Bass des Canor schätze. Einmal war es federnd, dann wieder pulsierend und knackig. Das macht Freude und wirkt aber niemals übertrieben. Die Hörstunden mit Songs von Sohn, AaRON, YELLO, Christine and the Queens, Gidge und einigen mehr, war stets von einem mitreißenden Drive, wohl dosierter Energie und sehr gutem Timing geprägt. Und obwohl der Canor nicht zu den Schönfärbern gehört, war ich nie ermüdet vom Hören. Die Langzeittauglichkeit kann man also auch auf die Liste der positiven Eigenschaften setzen.
Mit mehr Hochton-Energie
Im direkten Vergleich mit meinem externen DAC fielen mir zwei Dinge auf: Erstens kam das Signal über den externen DAC lauter an (die Verbindung übernimmt ein kryo-behandeltes Cinchkabel von Neotech) und zweitens zeigte sich im Hochtonbereich der größte Unterschied. Das mag auch Bauart-bedingt sein. Denn mein Holo Audio Spring 3 KTE ist ein R2R-DAC, welcher in der Verarbeitung der hochfrequenten Tonanteile eine abfallende Kurve aufweist. Der ESS-basierte Delta Sigma-DAC des Canor ist grundlegend anders aufgebaut. Mit dem integrierten DAC des Canor klangen daher HiHats oder Becken eines Schlagzeugs anders. Sie hatten mehr Präsenz und Dynamik und reihten sich im Gesamtklangbild daher auffallender ein. Auch hohe Töne bei Klavier und Gitarre hatten mehr Aufmerksamkeit im Vergleich zum Holo Audio DAC. Bei Raumabbildung und Nachdruck in den tiefsten Frequenzregionen hatte der Holo gegenüber dem integrierten DAC etwas die Nase vorne. Man darf aber nicht vergessen, dass wie hier auch noch mal von einem höheren Investment ausgehen. Ich kenne einige DACs, die auf den ESS 9038PRO oder 9038Q2M Konverter setzen und mir gefällt sehr gut, was Canor damit umgesetzt hat. Es passt, wie schon erwähnt, hervorragend in das klangliche Gesamtkonzept. Und seine Fähigkeiten als Rechenchip wurden professionell in den All-in-one-Verstärker integriert. Mit der Integration fallen auch einige zusätzlich anfallende Kosten wie ein weiteres Stromnetzkabel und hochwertige Cinch-Kabel weg, die es bei einer externen Lösung benötigt. So etwas kann man und sollte man bei einer rein betriebswirtschaftlichen Betrachtung einer Anschaffung in dieser Höhe miteinbeziehen.

Positives Fazit
Apropos, der Canor hat ja noch einiges mehr zu bieten: MC/MM-Eingänge sowie einen Kopfhörerverstärker mit symmetrischen und unsymmetrischen Ausgängen. Für mich ist der Virtus A3 ein herausragendes Produkt, welches das Potenzial hat, das zentrale Element in einer hochwertigen Kette zu sein. Das Team um John Westlake hat einen exzellenten Verstärker konzipiert, der mich durch seine Musikalität und Dynamikfähigkeiten vollends abholt und überzeugt. Die Idee des Current Dumping ist ein technisches Sahnehäubchen und sie geht in der Konstruktion als Konzept voll auf. Die enorme Ausstattung ergänzt den Verstärker und erhöht den Kaufanreiz. Allein als Verstärker wäre er das Geld wert, mit den zusätzlichen Funktionen hat Canor ein sehr attraktives Produkt geschaffen, das im Portfolio möglicherweise einen Kanibalisierungseffekt auslöst. Aber das soll ja nicht die Sorge des Konsumenten sein. Für mich sticht der Virtus A3 aus dem Markt heraus und er übt eine Faszination aus, die nur wenige Verstärker erreichen konnten. Mit dem Bedienkonzept hat man aus meiner Sicht auch ins Schwarze getroffen. Mit den richtigen Lautsprechern als Spielpartner und einer hochwertigen Verkabelung (die der Canor umgehend belohnt) ist man aus meiner Sicht damit im Bereich High End HiFi angelangt.

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Ihr Gerd Wallner,
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