Testbericht

Testbericht Q Acoustics M20 vs. 3020i

Aktiv-Lautsprecher vs. Einzelkomponenten

Sind Aktivsysteme die Zukunft?

Aktive Lautsprecher sind stark im Kommen. Im Studiobereich ist das schon länger nichts Außergewöhnliches. Im klassischen Heim-HiFi tummelten sich dann in den letzten Jahren doch einige Anbieter in meist hochpreisigen Segmenten. Mittlerweile sind Aktivlautsprecher auch im Mainstream angekommen. Lösen sie mehrere Probleme auf einen Schlag.

Wohnräume und Interior Design werden einerseits weniger und andererseits reduzierter. Man mag sich also – wie in den Hochzeiten des klassischen HiFi – keine Gerätetürme ins Wohnzimmer stellen. Und der Trend zur drahtlosen Zuspielung der Musikquelle ist ungebrochen. Aber mobile Bluetooth- und WiFi taugliche Boxen sowie Soundbars unterm TV-Gerät sind manches Mal nicht genug für den audiophilen Output. Einerseits wegen der Limitierung des klanglichen Ergebnisses und andererseits wegen der fehlenden Anschlussmöglichkeiten. Aber auch Verstärker oder Abspielgeräte sind heutzutage wahre Multitalente und durch ihre Konnektivität und Zusatzfunktionen ebenso high fidele und funktionale „Klappmesser“. Um bei diesem Bild zu bleiben: Mit welcher Lösung schneidet man jedoch als HiFi-Fan besser ab? Auf diese Frage soll dieser Vergleich eines Aktiv-Lautsprechers – in dem Fall Q Acoustics M20 – gegen eine Kombi aus Q Acoustics Passivlautsprechern 3020i gepaart mit dem Verstärker IOTAVX SA3 und dem CD-Player/Netzwerk-Player NP3 ein paar Antworten liefern.

Wie ein Formel 1 Boxenstopp

Ich habe noch nie ein neues HiFi-Gerät dermaßen schnell in Betrieb genommen wie das Q Acoustics M20 Aktivlautsprecher-Paar. Der Hersteller bezeichnet das Produkt als drahtloses HD-Musiksystem. Zwei Kabel braucht es aber immer noch: ein Stromkabel und ein Lautsprecherkabel. Aber wollen wir nicht kleinlich sein und auch keine Wortklauberei betreiben. Denn das große Aha-Erlebnis kommt gleich nach dem Auspacken. Beide Lautsprecher aufs Sideboard gestellt, Stromkabel angeschlossen, Master-Box mit dem beigepackten Lautsprecherkabel an die zweite Slave-Box gehängt, Einschaltknopf gedrückt, Bluetooth Verbindung hergestellt. Fertig innerhalb von einer Minute. Wow! Da kommt man sich vor wie bei einem Reifenwechsel an der Formel 1 Box. Ich hatte aber auch Glück, dass ich linke und rechte Box gleich richtig aufgestellt hatte. Man kann das per Kipp-Schalter an der Rückseite der Master-Box leicht umstellen, aber das hätte mich jetzt echt fünf Sekunden beim Boxenstopp gekostet.

Und in diesem Ton geht es weiter. Da musste ich gleich mal kurz reinhören. Nicht eingespielt und schon geht es dynamisch zur Sache. Das klingt nicht nach Kompromiss oder gar Kompression im Ton. Aber bevor ich mich bequem in den Hörsessel begebe, ist da noch etwas zu tun. Nun geht es an den Aufbau der IOTAVX Kombi mit der 3020i. Das braucht natürlich: Aufbau der Lautsprecherständer, Verkabelung des NP3 mit dem SA3 Verstärker, Lautsprecherkabel mit den Bananas-Steckern an die linke und rechte Box, und beide Geräte an den Stromverteiler. Den Bluetooth Adapter für den SA3 hatte ich noch vergessen, der wird an den entsprechenden Port gestoppelt und macht den Verstärker ebenso empfangsbereit.
Braucht jetzt auch keine Ewigkeit. Man kann das auch zelebrieren. Und man macht es in der Regel einmalig bei der Erstinstallation. Aber in diesen Schritten und Handgriffen liegt dann doch auch der große Unterschied, wenn es um den Ausbau dieser Kette geht. In jedem Detail steckt dann Potenzial, um mehr aus dem System zu holen. Da ist beim M20 System schon das Maximale erreicht. Nein stopp, das ist ja nur mein Denkfehler. Auch das M20 System bietet an der Masterbox, die die Verstärkereinheit beheimatet diverse Schnittstellen: Neben zwei Analogeingängen mit Cinch und Klinke gibt es auch zwei Digitaleingänge; Toslink und USB. Was ich sehr schätze (und ich nehme an auch andere) ist, dass auch einen Anschluss für einen aktiven Subwoofer gibt. Aber dazu später mehr.

 

Q ACOUSTICS M20

im Shop ansehen

Design oder nicht sein?

Bevor ich mich dem Thema Klang widme, noch mal zurück zum Thema Design. Einige Hersteller sehen ihre Geräte als Lifestyle Produkte und positionieren diese auch so. Dass da dem Design auch eine wesentliche Komponente bei der Kaufentscheidung zukommt, ist verständlich und auch für Audiophile wichtig. Viele würden das so nicht zugeben, aber ich bekenne mich als Designaffinen Hörer und Käufer. Warum daher das M20-System im Gegensatz zu den höherpreisigen Geräten des selben Herstellers namens Q Active 200 und 400 nur im grauen Äußeren angeboten wird, ist mir ein Rätsel. Aber ebenso ist es mir unverständlich wieso die meisten HiFi-Geräte auch nur im schlichten Schwarz oder fallweise ausnahmsweise Silber/Champagner angeboten werden. Nur wenige Ausnahmen, wo „gestandene“ HiFi Geräte auch mal in wohnraumfreundlichen weiß angeboten werden, sind mir bekannt. Da fallen mir Hegel, T+A oder auch die Geräte von Denon im Midi-Format (wobei man jetzt diskutieren kann, ob das nicht doch eher Lifestyle Geräte und weniger HiFi sind) ein. Das war es schon. Ich lasse mich aber auch gerne belehren, falls ich welche nicht kennen sollte. Lange Rede kurzer Sinn: Mehr Wahlmöglichkeit und Farbvarianten würde ich mir schon wünschen. Allein schon vor dem Hintergrund, dass immer mehr Wohnräume in strahlendem Weiß und farblich reduziert gehalten werden. Im konkreten Vergleich kann das Lautsprecher Modell 3020i zumindest in den Varianten grau, weiß und Walnuss bestellt werden. Die IOTAVX Geräte gibt es ausschließlich in schwarzem Gehäuse.

M20 oder die Formel für aktiven Spaß

Die Aktivlautsprecher M20 sind nicht nur schnell installiert, sondern man ist schnell Freund mit ihnen. Smartphone gezückt, TIDAL App geöffnet und Dido mit „You don‘t need a god“ gewählt. Ein Song der mit sehr gefällt auch wenn er keinen audiophilen Himmel erschließt. Man kann diesen aber gut fürs Testen von Stimmen, Bass und Rhythmus nehmen. Die Bluetooth Verbindung gibt 24 Bit und 48 KHz mit aptX™ Codec her. Das kann mein iPhone aber nicht, hier wird bei Apple per SBC Codec die Bluetooth Verbindung hergestellt. Mit dieser klingt das Set im Wohnzimmer am Mediaboard (wo auch die Kabel gut versteckt werden können) jedoch gleich viel präsenter und ansprechender als mein daneben platzierter Denon CEOL Verstärker, dem ich doch passable und erwachsene Regallautsprecher von Heco gegönnt habe.

Diese Kombi liegt preislich über dem M20 Set, kann aber gar nichts dagegenhalten. Weder bei geringen Pegeln, noch wenn man die Lautstärke hoch dreht.

„Wenn es um Rhythmus und Stimmen geht, sind alle Q Acoustics Lautsprecher in ihrem Element.“

Die Q Acoustics liefern Dido mit ihrer sehr eigenen Stimmfärbung und die im Computer produzierten Drums in einem sehr gefälligen Sound zum Ohr. Ich blieb auf dieser Musik-Schiene. Egal ob Sigrid Griff bei „Head on Fire“, Sting‘s relativ neue Nummer „Rushing Water“ oder Chris Martin von Coldplay bei „Higher Power“. Wenn es um Rhythmus und Stimmen geht, sind alle Q Acoustics Lautsprecher in ihrem Element. Auch Klassiker wie „Radio Gaga“ oder „Under pressure“ von Queen kamen deshalb in die Song-Auswahl für den Test. Auch Folk von Eva Cassidy und andere Stilrichtungen gesellten sich dazu, um ein weiteres Spektrum zu haben.

Je nachdem wie man sich der Beurteilung nähern will – also entweder vom Niveau einer Bluetooth Single-Box bzw einer TV-Soundbar oder vom audiophilen Blick „herab“, wenn man zum Beispiel die Q Acoustics Concept 30 oder sogar die high-endige Concept 300 mit einem sehr guten Verstärker gehört hat, wird das Urteil natürlich anders ausfallen. Für mich ging es um eine preisbezogene Einstufung und Feststellung. Klar fehlt ein gutes Stück auf eine high-fidele Top-Anlage, wäre ja auch ein Wunder. Aber von einem klanglichen Kompromiss angesichts des Preises ist man mit der Anschaffung dieser Aktiv-Lautsprecher weit entfernt. Wie ich die M20 klanglich beschreiben würde? Das ist am besten mit der näheren Beschäftigung mit der passiven 3020i von der selben Marke erklärt. Denn die konstruktiven Bestandteile sind die gleichen, die Klang-„Gene“ wenn man so will in der vergleichbaren Ausgangslage.

Der Nachfolger der 3020i: Q ACOUSTICS Q 3020C

im Shop ansehen

Bruder und Schwester im Klang

Die 3020i an der IOTAVX Kombi klang im positiven Sinne sehr kompakt. Und das Zusammenspiel von Hoch-, Mittel- und (so weit geht) dem Tiefton funktionierte gut. Die Höhen strahlten nicht ganz ins letzte Quäntchen, aber genau das ist förderlich bei langen Hör-Sessions. Und der Bass dickte nie ein, noch regte er den Raum zu sehr an. Es kippte nie ins Dröhnen, auch wenn man den Regler mal weit nach oben drehte. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Box tonal oder dynamisch echt in die Knie ging. Wer auf der Suche nach einem günstigsten Einstieg für HiFi und vor allem Surround Sound ist, dem kann ich die 3020i empfehlen. Gerade für Filmton und Pop-Musik sehe ich diesen unproblematisch aufzustellenden Lautsprecher als sehr gut an. Den Einfluss der IOTAVX Geräte hört man schon. Hier ist auch um einiges mehr Geld zu investieren. Sind zwar der Verstärker und auch der Player wahre Preis-/Leistungsbringer, aber es ist mit dem unterschiedlichen Budget natürlich auch entwicklungstechnisch mehr Spielraum gegeben als bei gerade mal 100 Euro Aufpreis bei der aktiven M20 zur passiven 3020i. Dass bei diesem engen Budget eine Aktiveinheit und analoge sowie digitale Schnittstellen möglich sind, ist schon schwer vorstellbar. Und dass sich da keine HDMI Schnittstelle für den TV ausgeht, ist verständlich. Unterm Strich ist die 3020i mit der IOTAVX Kombi doch eine andere Klasse. Doch die Grundwerte des Lautsprechers allein betrachtet sind gegeben: Dynamik-fähig und eher auf der warmen und vollmundigen Klang-Seite ohne viele Details zu verschlucken.

Und das kann ich dem M20 Aktiv-Paar auch attestieren. Sie sind klanglich eben sehr verwandt. Der konstruktive Aufwand mit den stabilisierenden Verstrebungen im Gehäuse äußert sich in einer für den Preis sehr passablen Bühnenabbildung. Im Stereodreieck sitzend ist die räumliche Abbildung von dem meist eher flachen Klangbild einer Soundbar wohltuend weit weg ins Dreidimensionale. Wie auch bei der 3020i baut sich die Bühne hier eher in Richtung des Hörers auf und weniger nach hinten oder auch seitlich. Daher auch der direkt ansprechende Klang.

Welche ich nun wählen würde? Wer unkompliziert einen sehr passablen Klang ins Wohnzimmer für Streaming und drahtlose Zuspielung sowie TV-Ton sucht und keine allzu großen Ambitionen in die Erweiterung der klanglichen Ausschöpfung der Anlage hat, dem kann ich das Aktiv-Set empfehlen. Es gibt dennoch eine Spielwiese in Form eines angeschlossen Subwoofers oder eben beim Streaming-Zuspieler. Auch die mobile Umsiedlung für die Gartenparty (bei mir war es die Silvesterparty auf der Terrasse bei dem die M20 Laune machte) ist ein großer Pluspunkt für die Aktivlautsprecher, bei denen ja auch nur der Master mal auf die Schnelle einzeln aufspielen kann. Die Nutzung für Gaming Konsolen oder die Vernetzung mit dem PC über USB habe ich bei diesem Bericht gar nicht ausgeführt, da sie den Rahmen sprengen würden. Aber auch hier lassen sich Anwendungsfälle finden. Zu erwähnen wäre aber noch die Tatsache, dass der Trend zur Schallplatte damit auch bedient werden kann. Was mir echt Spaß mit dem M20 Set gemacht hat, ist die Tatsache, dass ich damit nach langem wieder meinen Project Plattenspieler aktiviert habe. Denn dieser hat einen Phono-Vorverstärker bereits eingebaut und darum ging der einfache Anschluss an den Cinch-Buchsen. Im Handumdrehen lassen sich damit die analoge mit der digitalen/aktiven Musikwelt verbinden und man hört sich damit unkompliziert durch die Musik von alten und neuen LPs.

Wer sich für Passiv-Lautsprecher wie die 3010i, 3020i oder 3030i entscheidet, hat meist auch noch mehr Interesse an den Elektronik-Komponenten. Potenziale für weitere klangfördernde Maßnahmen wie Stromfilter, hochwertige Lautsprecherkabel, unterschiedliche Kabelverbindungen zwischen Komponenten oder auch die Aufstellung der Lautsprecher (Platzierung, Ständer) sowie Bi-Amping sind nur einige Themen, denen man sich widmen kann. Auch der Ausbau auf Mehrkanalton ist mit Passiv-Lautsprechern für Freunde des Filmtons oder auch Surround-Musik gegeben. Ich habe bei beiden Lautsprecher-Modellen zur Erweiterung des Tiefton-Fundaments testweise einen SVS-SB3000 micro angeschlossen. Damit erschließt man bei guter Einbindung einen weiteren Schritt im Gesamtklangbild und es kann für den einen anderen auch schon eine finale Lösung im HiFi sein. Aber das ist eine andere Geschichte…

Quo vadis HiFi?

In diesem „Duell“ ist also weniger der Klang das Entscheidungskriterium, sondern viel mehr der Anwendungsfall und die Pläne für zukünftige Ausbauschritte. Für Suchende nach dem nächsten klanglichen Schritt nach oben, ist ja sowohl bei Aktiv- als auch bei Passivlautsprechern sowohl bei Q Acoustics als auch anderen Marken im Sortiment etwas dabei. Bei Q Acoustics wären das eben die Q Active 200 oder auf der anderen Seite die Concept 20, 30, 300 bei den Regallautsprechern. So oder so macht schon die Einstiegsklasse bei Aktiv- aber auch bei Passivlautsprechern richtig Freude. Und um auf die Frage aus dem Titel zurückzukommen: Ich persönlich bin jemand bei dem das Zusammenstellen der HiFi-Komponenten einen Teil des Hobbys ausmacht. Die Q Acoustics Passivlautsprecher in Verbindung mit guter Basis auf Verstärker- und Zuspielerseite eröffnen schon high-fidelere Musikerlebnisse. Auf der anderen Seite sehe ich die Vorteile, die Aktiv-Systeme bringen. Und dass nicht nur wenn es um das Handling geht. Bei Lautsprechern führt kein Weg daran vorbei und es werden immer mehr aktiv verstärkte Produkte auf den Markt kommen. Stichwörter wie Raumanpassung, aktive Weiche, DSP gesteuerte Entzerrung zeigen wo die Reise hingeht und eröffnen neue Dimensionen. Aber all diese Technik in einen sehr guten Lautsprecher zu packen, kostet neben viel Hirnschmalz bei den Entwicklern auch gutes Geld. Und da gilt dann dasselbe wie bei klassischem passiven HiFi: von nichts kommt nichts. Ohne entsprechendem Budgeteinsatz wird es auch bei aktiven Lautsprechern keine Klangwunder geben.

 

 

 

 

Haben Sie Fragen?
Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne!

Rufen Sie uns einfach an unter: +43 664 1009515
oder schreiben Sie uns per Email: g.wallner@heimkinoplus.at

Ihr Gerd Wallner,
HeimkinoPLUS

 

 

Exklusiver Download

Der komplette Testbericht steht Ihnen als kostenloser PDF-Download zur Verfügung. Laden Sie den Bericht jetzt herunter und erfahren Sie mehr zum Thema.

📥 Hier den vollständigen Testbericht herunterladen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert