Testbericht

Höreindruck Arcam SA35 – Im Zentrum der Musik

Ich fahr zwar nicht G-Klasse, aber ich höre jetzt Class G

Ein Audioverstärker der Klasse G nutzt eine spezielle Schaltungstechnologie, um effizienter und weniger wärmeintensiv zu arbeiten. Im Vergleich zu klassischen Class-AB-Verstärkern schaltet er zwischen verschiedenen Spannungsstufen um, je nach Lautstärke, was Energie spart, und die Wärmeentwicklung reduziert. Das gewünschte Ergebnis sollte eine optimierte Klangqualität bei geringem Stromverbrauch sein. Dieser Bericht widmet sich einem modernen Vertreter, nämlich dem neuen Arcam SA35 aus der Radia-Serie.

Seit ihrer Einführung in den 2000er-Jahren hat sich die Class-G-Verstärkertechnologie kontinuierlich weiterentwickelt – heute steht sie für hohe Klangqualität bei effizientem Energieeinsatz.

 

 

Wenn sich Industrie-Designer und Audio-Ingenieure austoben

Der Radia SA35 – ein elegantes All-in-One-System und Paradevertreter eines hochmodernen Class G Verstärkers, verkörpert aus der Sicht der Marke Arcam die Zukunft des HiFi-Genusses. Mit seinem schlanken Design vereint das Gerät modernste Technik und beeindruckende Klangqualität in einem einzigen Gehäuse. Dank der neuesten Class G-Verstärkung liefert er satte 120 Watt pro Kanal bei 8 Ohm und beeindruckende 220 Watt bei 4 Ohm – perfekt für eine kraftvolle, detailreiche Wiedergabe.

Ausgestattet mit einer hochauflösenden 6,5-Zoll-Anzeige und einer fortschrittlichen Streaming-Plattform bietet der SA35 Zugang zu hochauflösendem Musik-Streaming via Apple AirPlay, Google Chromecast, Spotify Connect, Tidal Connect und Roon. Die integrierte HDMI ARC-Unterstützung macht die Verbindung zu Fernsehern kinderleicht, während das Zwei-Wege aptX Adaptive Bluetooth-Modul kabellosen Musikgenuss in höchster Qualität ermöglicht – egal ob vom Smartphone oder zu kabellosen Kopfhörern.

Mit einer umschaltbaren MC/MM-Phonostufe lässt er sich ebenso nahtlos in das analoge Vinyl-Erlebnis integrieren, während Dirac Live Room Correction für eine perfekte Raumakustik sorgt. Das hochwertige Netzteil und die symmetrischen analogen sowie digitalen Wege garantieren eine unvergleichliche Klangtreue.

Ich muss schon sagen, dass jeder halbwegs Design-affine Hifi-Fan, die Gestaltung als gelungen bezeichnen wird. Das Spiel mit den gelben Akzenten in Kombination mit den schwarzmatten Oberflächen ist sehr zeitgeistig. Und die Briten ziehen das Konzept bis hin zu den Gerätefüßen, der Fernbedienung und der grafischen Bedien-Oberfläche durch. Ergänzt durch Farbapplikationen an den Seiten und der Oberseite sowie gelb beleuchteten Drehreglern macht der Auftritt des Geräts schon mal optisch was her. So geht Produktdesign heutzutage und gibt einer Marke einen unverwechselbaren Auftritt. Aber der schönste Auftritt hilft nichts, wenn die inneren Werte nicht stimmen und der Klang nicht mithalten kann. Doch so viel sei mal vorweggenommen:  Arcam täuscht und enttäuscht nicht. Eine Idee möchte ich mit auf den Weg geben: Wenn man sich Dämpfer-Füsse (wie etwa MAGAUDIO Resonance Magnetic Absorber) zulegt und diese im Arcam Radia Gelb folieren oder lackieren lässt, dann kann man das Design pfiffig erweitern und einen weiteren eye-catcher schaffen.

Da ist noch mehr unter der Haube

Der Arcam glänzt aber nicht nur als zeitgemäßer Verstärker. Das Gehäuse beheimatet auch einen Streamer und einen DAC. Ich hatte das Vergnügen einerseits den Ideon EOS DAC und auch den Eversolo DMP-A6 (eine getunte Version) zu hören. Der Streaming-Client (mit dem integrierten DAC) des Arcam erinnerte mich in seinen Grundzügen an diese beiden Geräte. Timing, feine Höhen-Zeichnung, ein Fokus auf das rhythmische Geschehen sind verbindende Eigenschaften dieser HiFi-Komponenten aus meiner Sicht. In meiner Kette läuft ein Innuos Zen Mini Mk3 mit einer hochwertigen Stromversorgung von Audiophonics, die von Authentic Cinema nochmals verbessert wurde. Auch dieser beinhaltet einen built-in-DAC, in seinem Fall von Burr Brown. Daher habe ich zum Vergleich meinen Streamer-PC per hochwertigem Neotech-Cinchkabel mit dem Arcam verbunden, um einerseits die DA-Wandlung vergleichen zu können, aber andererseits auch nur die Verstärker-Eigenschaften bewerten zu können. Zu den digitalen Komponenten des Arcam gehört die neueste Hyperstream iV DAC-Topologie von ESS in einer symmetrischen Konfiguration mit fortschrittlicher Jitter-Eliminierung.

 

Der Arcam DAC hat eine andere Klangsignatur und Raumwiedergabe als der Innuos. Wenn es um Klarheit und Offenheit geht, hat der Arcam DAC die Nase vorne. Auch bei der Wiedergabe der hochfrequenten Anteile werden viele Hörer der britischen Marke wohl den Vorzug geben. Beim Thema Langzeit-Hör-Tauglichkeit sollte man den Umstand berücksichtigen, da manches Mal ein zu viel des Guten auf Dauer auch störend wirken kann. Dafür wirft der Innuos seine Bass-Wiedergabe (im tieffrequenten Bereich) und die breitere Bühne sowie das Quäntchen mehr an Natürlichkeit bei der Stimmenwiedergabe in die Waagschale. Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass auf diesem Niveau persönliche Vorlieben und die bevorzugt gehörte Musikrichtung auch mitentscheidend für die Wahl eines Geräts sein können. So oder so, es ist erstaunlich, wenn ein All-in-one-Gerät – dessen Preispunkt unter dem Kostenniveau der Streamer/DAC/Cinchkabel Kombination liegt – Paroli bieten kann. Wenn man den Arcam rein auf seine Verstärker-Fähigkeiten reduziert, dann sorgt er in dieser Disziplin ebenso für eine positive Überraschung. Seine Stabilität und Präsenz gibt vor allem bei dynamisch geprägter Musik und bei impulstreibenden Elektro-Beats dem Klanggeschehen eine prägende Note. Das bedeutet nicht, dass er andere Musikstile und Disziplinen nicht kann. Denn auch wenn es zum Beispiel um das Flirren von Gitarrensaiten geht, schlägt die Stunde des Arcam.

ARCAM SA35

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Bitte an die Leine legen

Ein Aha-Erlebnis brachte dann der Moment, als ich beschlossen habe, den Arcam doch per Ethernet-Kabel von Supra mit dem digitalen Musiksignal zu versorgen. Sofort war die Wiedergabe körperhafter, die Bühne noch größer und der Musikfluss noch eine Spur kohärenter. Meine Empfehlung ist, trotz aller Bequemlichkeit, die eine WiFI-Verbindung mit sich bringt, der kabelgebundenen Anbindung den Vorzug zu geben.
Die konfigurierbaren Digitalfilter bieten Klang-Tuning auf hohem Niveau – mein Favorit bringt eine ausgewogene Balance und lässt sich intuitiv über die übersichtlich gestaltete Benutzeroberfläche wählen.

 

 

Einmessung auf den Raum per Dirac

Die Einmessung mit Dirac Live war einfach durchzuführen und brachte hörbar mehr Balance ins Klangbild – spitzere Höhen wurden abgemildert, der Bass kontrollierter. Überraschend effektiv und auf Dauer klanglich klar im Vorteil. Eine ausführlichere Beschreibung der Einmessung finden Sie im kostenlosen PDF zum Artikel.

 

Fazit

Mit dem SA35 bietet Arcam ein faszinierendes Hifi-Gerät, dass sowohl als Verstärker, DAC und als Streamer gute Figur macht. Man merkt ihm an, dass die Macher den Markterfolg fast spürbar herbeisehnen, denn sie werfen viel in die Waagschale. Britisches HiFi galt seit langem und gilt immer noch als Symbol für Qualität und stilvolle Audiotechnik. Der SA35 tritt in diese Fußstapfen und ist trotz Lifestyle-Produkt-Ansatzes eine hochwertige Komponente. Diese sichert sich in einem modernen Wohn-Ambiente auf lange Zeit einen Platz durch sein modernes und ausgereiftes Bedienkonzept. „Who wants to live forever?“ von Queen wäre also nicht der schlechteste Song, wenn man mit dem Arcam Bekanntschaft macht.

Bei Fragen zum Artikel oder Produkten rufen Sie uns einfach an unter: +43 664 1009515
oder schreiben Sie uns per Email: g.wallner@heimkinoplus.at

 

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