Audyssey-Wissen

Was bewirkt Dynamic EQ und solltest du die Funktion verwenden?

Wenn du dich mit Audyssey befasst, kommst du an dieser Einstellung nicht vorbei: Dynamic EQ. Sie ist kaum zu übersehen, aber auch kaum zu durchschauen. Angeblich wird damit nur alles besser. Hier erfährst du die Hintergründe.

 Einstellung "Dynamic EQ" im Menü eines Marantz-AVR

Die Bedienungsanleitung beschreibt Dynamic EQ wie folgt:

Hiermit lösen Sie das Problem der sich verschlechternden Tonqualität, während die Lautstärke abnimmt, wenn man menschliche Wahrnehmung und Raumakustik mit einbezieht.

Sehen wir uns einmal an, was damit genau gemeint ist.

Dynamic EQ: Die moderne Version der Loudness-Korrektur

Schon lange ist bekannt, dass unsere Ohren verschiedene Frequenzen nicht immer gleich laut wahrnehmen. Je leiser eine Schallquelle insgesamt ist, um so schlechter hören wir insbesondere die Bassanteile heraus. Aber auch bei den Höhen beginnt unser Hörvermögen alsbald zu schwächeln.

Das ist einer der Gründe dafür, dass wir Musik und Filme erst ab einer gewissen Mindestlautstärke richtig genießen können. Drehen wir leiser, kommt einfach kein Spaß mehr auf.

Schon vor Jahrzehnten haben findige Hifi-Bastler Schaltungen dafür entwickelt, die die Lautstärke nicht linear regulieren: Je leiser man dreht, um so weniger stark werden die Bässe und Höhen gegenüber dem Mittelton zurückgenommen.

Somit wurde es möglich, bei Bedarf auch einmal auf Zimmerlautstärke zurückzudrehen, ohne zu viel vom Klang einzubüßen. Die sogenannte “Loudness-Korrektur” bzw. der “Loudness-Regler” wurde damit zum festen Bestandteil vieler Hifi-Verstärker.

Dank digitaler Technik ist das heute nur noch eine Funktion, die sich bei Bedarf aktivieren lässt. Du kannst wie gewohnt den Lautstärkeregler verwenden und alles Weitere passiert im Hintergrund. Dynamic EQ ist einfach nur der Name von Denon/Marantz-Geräten für genau diese Funktion.

Was bewirkt Audyssey Dynamic EQ genau?

Was Dynamic EQ genau bewirkt, zeigt sich sehr schnell, wenn man die Ausgabe von Audyssey Messtechnisch überprüft. Wenn du Spaß daran hast, kannst du das mit der Software REW selbst nachvollziehen.

Hier eine zur Übersichtlichkeit vereinfachte Darstellung dessen, was im Hintergrund passiert.

Auswirkungen von Audyssey Dynamic EQ auf den Frequenzgang bei verschiedenen Lautstärken

Auswirkungen von Audyssey Dynamic EQ auf den Frequenzgang bei verschiedenen Lautstärken

Die gerade Linie auf Höhe von 0 dB ist der Referenzpegel. Hier passiert schlicht und einfach gar nichts. Jede Frequenz wird genau so laut ausgegeben, wie sie von der Tonquelle eintrifft.

Reduzieren wir die Lautstärke jetzt immer weiter um jeweils 10 dB (Lautstärkeregler bei 70, 60, 50, usw., bzw. -10 dB, -20 dB, -30 dB usw.), stellen wir fest, dass die Ausgabe immer weniger linear erfolgt. Die Mitten werden genau so reduziert, wie wir es mit dem Lautstärkeregler vorgeben. Der Tiefton hingegen nimmt deutlich langsamer ab, genauer gesagt ungefähr 1/3 langsamer als der Mittelton. Auch im Hochton gibt es einen relativ sprunghaften Anstieg um 10 kHz herum, der im Extremfall aber nur etwa 6 dB ausmacht.

Geht man hingegen über den Referenzpegel hinaus (womit wir uns im Bereich “echt verdammt laut” befinden), werden Bass und Höhen weniger stark angehoben als der Mittelton. Das ist in der Praxis aber nur wenig relevant, weil so lautes Hören ohnehin kein wirklicher Genuss mehr ist.

Solltest du Audyssey Dynamic EQ aktivieren?

Auf Filmlautstärke wirst du den Unterschied kaum wahrnehmen, ob Dynamic EQ aktiv ist oder nicht. Das zeigt das Diagramm sehr deutlich.

Bei sehr geringen Lautstärken (Regler auf 20 bis 40 bzw. -60 dB bis -40 dB) hingegen solltest du einen deutlichen Unterschied wahrnehmen, wenn du Dynamic EQ während der Wiedergabe von etwas Musik ein- und ausschaltest.

Entscheide selbst, was dir besser gefällt – insbesondere im Hinblick darauf, wie relevant niedrige Lautstärken für dich überhaupt sind. Wenn du sowieso immer im Kinomodus unterwegs bist, wirst du auch kaum einen Unterschied hören; dann kannst du Dynamic EQ genauso gut abschalten.

Natürlich wird der Klang weniger verfälscht, wenn du Dynamic EQ deaktivierst. Aber manchmal sind Verfälschungen eben gut – insbesondere dann, wenn es darum geht, die naturgegebenen Unzulänglichkeiten unseres Gehörst auszugleichen.

Fazit – Dynamic EQ: an

In jedem Fall macht Audyssey’s Dynamic EQ nichts kaputt. Du kannst die Funktion bedenkenlos aktivieren und wirst in den allermeisten Fällen eher einen Nutzen daraus ziehen, als Nachteile zu erfahren. Was dein Gehör nicht leisten kann, wird damit wunderbar kompensiert.

Damit steht Dynamic EQ im Übrigen auch im krassen Gegensatz zu Dynamic Volume, einer anderen Audyssey-Funktion, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden ist. Diese beiden solltest du keinesfalls verwechseln.

About Bert Kößler

Bert Kößler ist Gründer des Portals Heimkino Praxis, wo er sein Wissen mit Heimkino-Begeisterten aus aller Welt teilt. Neben unzähligen Fachartikeln zu allen Fragen rund ums Heimkino, bietet er dort auch Beratungsleistungen für große und kleine Projekte an.

2 thoughts on “Was bewirkt Dynamic EQ und solltest du die Funktion verwenden?

  1. Stefan mit F sagt:

    Gut geschrieben. Leider fehlt hier der Verweis mit den
    Offset Stufen .
    0db höchste (Loudness) Stufe.
    15db niedrigste Stufe .

    Nach Belieben nachpassen und die Pegel anpassen.

    1. Das wird in einem anderen Beitrag erklärt, wo es relevanter ist.

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