Audyssey-Wissen

Was ist der Unterschied zwischen Audyssey und Dirac Live?

Während du in deinem AV-Receiver von Denon oder Marantz mit Sicherheit schon über das Einmesssystem Audyssey gestolpert bist, tritt eher beiläufig eine Alternative in Erscheinung: Dirac Live. Wir wollen uns hier einmal die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Audyssey und Dirac Live ansehen.

Audyssey vs. Dirac Live

Wie auch Audyssey ist Dirac Live ein Einmesssystem zur Raumkorrektur eines Mehrkanalsystems. Während Audyssey aber quasi explizit mit Denon und Marantz “verheiratet” ist, tritt Dirac Live als optionaler Gegenspieler in Erscheinung, der zudem auch als einzige oder alternative Lösung bei anderen Herstellern zur Verfügung steht.

Offensichtliche Unterschiede zwischen Audyssey und Dirac Live

Der offensichtlichste Unterschied ist, dass Dirac Live ausschließlich als externe Software zur Verfügung steht. Es wird auf einem PC ausgeführt, nimmt darüber die Einmessung vor und setzt die Parameter deines AV-Receivers von außen.

Vergleichen wir das zunächst einmal mit den verschiedenen Versionen von Audyssey.

Dirac Live vs. Audyssey MultEQ XT

Audyssey wird in seiner Grundform bereits in mindestens 3 verschiedenen Versionen ausgeliefert: Audyssey MultEQ, MultEQ XT und MultEQ XT32. Allen ist gemeinsam, dass sie im AV-Receiver selbst ausgeführt werden. Das Messmikrofon wird am AV-Receiver selbst angeschlossen und die Messung sowie anschließende Berechnung und Konfiguration findet im AV-Receiver statt.

Deine anschließenden Einstellmöglichkeiten beschränken sich auf das, was dir dein AV-Receiver in seinen Menüs anbietet. Das sind in erster Linie Anpassungen der Abstände und Pegel aller Lautsprecher, ebenso der Trennfrequenzen und genereller Klangeigenschaften wie Reference oder Flat.

Hier klafft mit Abstand die größte Lücke zu Dirac Live auf. Die Ergebnisse spielen sich mit Dirac schon für den Laien hörbar auf einem ganz anderen Level ab.

Dirac Live vs. Audyssey App

Wer mit Audyssey das nächste Level sucht, investiert ca. 20 € in die Audyssey-App, die für iOS oder Android erhältlich ist.

Damit wird Audyssey erstmals von Extern gesteuert. Das Messmikrofon hängt zwar immer noch am AV-Receiver selbst, die Messung und anschließende Korrektur erfolgt jedoch über die App. Damit werden zusätzliche Einstellungen verfügbar, die sich in der Regel sehr positiv auf das Ergebnis auswirken.

Die Benutzererfahrung reicht hier schon näher an Dirac Live heran, ist deshalb aber im Ergebnis noch lange nicht gleichwertig. Von vielen Anwendern wird die Audyssey-App aber als Must-have angesehen.

Dirac Live vs. Audyssey MultEQ-X

Im Jahr 2023 hat Audyssey schließlich zum Gegenschlag ausgeholt und versucht seither erstmals, etwas vergleichbares zu Dirac Live auf die Beine zu stellen. Mit Audyssey MultEQ-X, einer Windows-Software, die zunächst kostenlos über den Microsoft Store zu beziehen ist, wird hier erstmals eine Lösung verfügbar, die komplett von Extern über einen PC gesteuert wird – genau wie Dirac Live.

Zwar wird für die Nutzung mit einem AV-Receiver eine Lizenz benötigt, die je nach Angebot zwischen 150 und 200 € kostet und an den Microsoft-Account und den AV-Receiver gebunden wird – aber das ist immer noch günstiger als die ca. 250–800 €, die für Dirac Live fällig werden (abhängig vom Umfang bzw. den Features der Software).

Hinzu kommt in beiden Fällen die Notwendigkeit eines separaten Messmikrofons, das am PC angeschlossen wird. Dafür lässt sich nicht das mitgelieferte Messmikrofon des AV-Receivers verwenden. Ein passendes Mikrofon schlägt mit weiteren ca. 100 € zu Buche.

Vergleich Audyssey MultEQ-X gegen Dirac Live

An dieser Stelle müssen wir festhalten, dass ausschließlich ein Vergleich der PC-Software Audyssey MultEQ-X mit Dirac Live einen Sinn hat. Alle vorangehenden Varianten von Audyssey, sei es eingebaut oder auch über die App, sind in ihren Möglichkeiten praktisch chancenlos und können einen Vergleich nur verlieren.

Für einen detaillierten Vergleich von Audyssey MultEQ-X und Dirac Live ist es jetzt, Stand Anfang 2024, hingegen noch etwas zu früh. Dirac Live hat viele Jahre an Entwicklungsarbeit vorzuweisen, während Audyssey MultEQ-X praktisch gerade erst aus dem Boden gestampft wurde.

Gerade in den ersten Monaten hatte Audyssey mit massiven Bugs und Fehlern zu kämpfe. Inzwischen ist die Software gut einsetzbar und bildet damit zurecht das Flaggschiff aller Audyssey-Lösungen.

Hinsichtlich Benutzeroberfläche, Arbeitsweise und Einstellmöglichkeiten weisen beide Lösungen große Ähnlichkeit auf. Das war zu erwarten, denn es gibt im Bereich Raumkorrektur nur wenig Spielraum, das Rad neu zu erfinden.

Bei Dirac Live wird selbstverständlich die jahrelange Entwicklung deutlich, aber natürlich auch der höhere Preis. Inzwischen wird auch schon fleißig mit dem Einsatz von KI geworben.

Das macht einen direkten Vergleich für den Moment noch unfair. Klar ist aber, dass Audyssey eine ernstzunehmende Alternative ist und viel Potenzial für die Zukunft bietet.

Dirac Live: Bass Control & Active Room Treatment – Killer-Features?

Auffällig ist der modulare Aufbau von Dirac Live. Neben den Basis-Modulen, die auf eingeschränktem oder vollem Frequenzbereich arbeiten, sind zwei Zusatzmodule erhältlich:

  • Bass Control (BC) – für stark verbesserte und detailliertere Korrekturen im Tiefbass
  • Active Room Treatment (ATR) – eine dynamische Anpassung des Sounds an die Raumgegebenheiten

Bass Control ist eigentlich ein Must-have für hochwertige Heimkinos, die mit Dirac Live eingemessen werden. Das Plus an Bassqualität, das damit nochmal herausgeholt werden kann, ist erheblich. Es bleibt abzuwarten, ob Audyssey MultEQ-X dem langfristig etwas entgegensetzen kann.

Kritischer sehe ich die Funktion Active Room Treatment. Diese ist zwar grundsätzlich sinnvoll und gut gelöst, jedoch erweckt Dirac meiner Meinung nach völlig falsche Erwartungen bei den Anwendern. Das Marketing verkündet lauthals, dass akustische Maßnahmen im Raum damit überflüssig werden – was definitiv nicht der Wahrheit entspricht! Auch Dirac kann die Physik nicht überlisten. Akustische Maßnahmen sind durch nichts zu ersetzen. Jede noch so gute Software-Lösung kann einen hallenden Raum bestenfalls mehr oder weniger schlecht kompensieren.

Fazit – Audyssey MultEQ-X oder Dirac Live

Wir dürfen gespannt sein, wie sich die PC-Software von Audyssey weiter entwickelt. Eine ernstzunehmendes Alternative ist sie in jedem Fall jetzt schon – insbesondere wenn man den deutlich geringeren Preis gegenüber Dirac Live bedenkt.

Dennoch hat Dirac seine Vorteile, die nicht mal eben mit einer Neuentwicklung eines Konkurrenzproduktes beiseite gekehrt werden. Die Ausgereiftheit und langjährige Entwicklungsarbeit zeigt sich in der Software und im Ergebnis deutlich.

Am Ende wird es für die meisten Anwender vorerst eine Frage der Kosten und der persönlichen Ansprüche bleiben. Damit lässt sich die Entscheidung zwischen den beiden Systemen relativ leicht treffen.

 

 

Haben Sie Fragen?
Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne!

Rufen Sie uns einfach an unter: +43 664 1009515
oder schreiben Sie uns per Email: g.wallner@heimkinoplus.at

Ihr Gerd Wallner,
HeimkinoPLUS

About Bert Kößler

Bert Kößler ist Gründer des Portals Heimkino Praxis, wo er sein Wissen mit Heimkino-Begeisterten aus aller Welt teilt. Neben unzähligen Fachartikeln zu allen Fragen rund ums Heimkino, bietet er dort auch Beratungsleistungen für große und kleine Projekte an.

3 thoughts on “Was ist der Unterschied zwischen Audyssey und Dirac Live?

  1. Peter Gehrcken sagt:

    Vielen Dank an Sie, Herr Kößler für diesen sehr interessanten Artikel. Mein Problem ist folgendes: Ich hatte ca 3 Monate den Denon AVR-X1800H in Betrieb und habe 9 verschiedene Einmessungen mit Audyssey gemacht, alle mit fehlerhaften Messergebnissen. Habe den Verkäufer damit kontaktiert, keine Reaktion. Von Amazon kam sofort Geld zurück – aber mit einer völlig unsinnigen Begründung.
    Dann den Sony TA-AN 1000 gekauft, mehrere Einmessungen dokumentiert – Abweichungen von mehreren Metern!
    Ist das normal? Soll ich jetzt Dirac kaufen? PC ist immer am AVR angeschlossen.
    Bitte um Rat
    mfg Peter Gehrcken

    1. Hallo Herr Gehrcken,

      das ist keine Seltenheit. Zunächst mal ist Dirac das professionellere Einmesssystem, wovon man auch bessere Ergebnisse erwarten darf. Wenn allerdings Audyssey schon komplett versagt, dann kann man davon ausgehen, dass der Fehler woanders liegt und Dirac nur „ein bisschen weniger versagen“ würde.

      Wenn die Messergebnisse komplett daneben liegen, dann liegt es in den allermeisten Fällen an der Raumakustik. Ich rate einfach mal ins Blaue hinein: Wohnzimmer, seitlich eine große Fensterfront, keine Vorhänge, Fliesen oder Laminatboden, nackte Decke und Sofa knapp vor der ebenfalls nackten Rückwand. Je mehr davon zutrifft, um so schlechter ist das. An der Stelle müssen Sie ansetzen, damit es besser wird.

      1. Peter Gehrcken sagt:

        Vielen Dank für die schnelle Antwort. Ja, Sie liegen fast richtig. Mein Wohnzimmer ist ein Dachausbau aus den End-40-ern.
        Länge: 8m, Breite: 3,50m, Höhe: 2,40m. An den Breitseiten jeweils Fensterfronten, Nur kleine Fenstergardinen, Boden ist mit 3 Teppichen belegt, Raum ist komplett mit Rauhfaser tapeziert, Sofa stimmt, plus ca 3m Anbauwand, 6 grosse Pflanzenkübel.
        TV steht auf einem Board in 1,20m Höhe, ich sitze (eher liege) im TV-Sessel gegenüber, 3m Entfernung. Center: Mission QXC
        unter dem TV, Front: Mission LX5 Links: 3,51m, Rechts: 3,03m, Surround: 2 RFT 3010 (seit 1980 Bestandteil jeder Anlage)
        Links:1,97m Rechts: 2,28m in Ohrhöhe. Mit den Surround Back spiele ich rum, mal als Front High, mal neben TV, mal an der Wand hinter mir in allen möglichen Stellungen, oder unmöglichen!
        An die Akustik habe ich auch schon gedacht und mich belesen. Die Wände sind natürlich nicht nackt, sondern mit Bildern größerer und kleinerer Art bestückt. Bestellt habe ich 4 verschiedene Akustikschaummatten bei TEMU, Lieferung aber erst im Januar.
        Ach so: Sub hatte ich noch nie, verstehe auch den Sinn eines Sub nicht, muss ohnehin den Eq in den Minusbereich regeln.
        Sogenannte professionelle Absorber und Diffuser sind für mich keine Alternative, eher denke ich übers DIY nach.
        mal schauen.
        Viele Grüße au der Welterbestadt Wismar

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert