Audyssey-Wissen

Was bewirkt die Mittenbereichskompensation bei Audyssey?

AV-Receiver von Denon und Marantz bieten in ihren Einstellungen die sogenannte Mittenbereichskompensation an. Alleine der abenteuerliche Name sorgt schon dafür, dass sich darunter kaum jemand so richtig etwas vorstellen kann. Was ist also die Mittenbereichskompensation und solltest du sie an- oder ausschalten?

Messergebnis in der Audyssey App mit erkennbarer Auswirkung der Mittenbereichskompensation

Um das sinnvoll erklären zu können, müssen wir uns zuerst den Hintergrund und damit die Ursache für das Vorhandensein dieser Einstellung ansehen. Genauer gesagt, müssen wir uns über die BBC-Delle (“BBC dip”) unterhalten.

Was ist die Mittenbereichskompensation?

Die Auswirkung der Mittenbereichskompensation ist am besten am Messdiagramm der Audyssey-App zu erkennen. Sie macht sich durch eine deutliche Delle in der roten Kurve bei genau 2 kHz bemerkbar. Dort fällt der Frequenzgang um gut 2 dB ab.

Wenn du die Mittenbereichskompensation deaktivierst, entfällt dieser Einbruch im Frequenzgang und die korrigierte Messkurve verläuft gerade weiter – also weitestgehend linear.

Du kannst diese Einstellung für alle Kanäle bzw. Kanalpaare separat aktivieren oder deaktivieren – also Center, Front, Surround usw.

Üblicherweise wird empfohlen, die Mittenbereichskompensation zu deaktivieren. Aber kann man das wirklich so pauschal beantworten? Werfen wir mal einen Blick auf die Idee hinter dieser Einstellung.

Welche Rolle spielt der “BBC dip” dabei?

Der sogenannte “BBC dip”, zu Deutsch die “BBC-Delle”, ist ein Effekt, der auf eine Unzulänglichkeit der Studiomonitore des BBC in den 1960er- bis 1980er-Jahren zurückzuführen ist. Weil die Technik damals noch nicht so ausgereift war wie heute, gab es Probleme im Bereich der Übergangsfrequenz zwischen den einzelnen Treibern dieser Lautsprecher, die sich durch einen leichten Einbruch um 1-2 dB im Bereich von etwa 1-3 kHz bemerkbar machten.

Im Netz finden sich diverse Quellen dazu, aber die verlässlichste ist wohl dieses Video von Paul McGowan, einem der Entwickler, der zu dieser Zeit in diesem Bereich tätig war.

Schnell stellte sich heraus, dass diese Lautsprecher in vielen Ohren besser klangen. Der Sound wird als weniger direkt, unaufdringlicher und einfach natürlicher beschrieben. Wie das eben mit Adjektiven, die eine Klangfarbe beschreiben sollen, so ist, kann sich jeder etwas anderes darunter vorstellen. Man muss es gehört haben.

Und genau das wird durch die Mittenbereichskompensation möglich. Aktiviere sie, deaktiviere sie wieder – aber höre dabei ein wenig Musik, die du gut kennst. Du solltest auf jeden Fall einen Unterschied feststellen. Schließlich liegt der Wirkbereich genau inmitten der Frequenzen, für die unsere Ohren am empfindlichsten sind.

Hört man das?

Berechtigterweise stellt sich die Frage, warum so ein Aufhebens um eine eigentlich schlechte Eigenschaft eines Lautsprechers gemacht wird. An dieser Stelle sei einmal ein weit verbreiteter Irrglaube genannt: Nur ein linearer Frequenzgang ist ein guter Frequenzgang!

Dass das nicht stimmt, zeigen alleine die Bemühungen um die Audyssey-Housecurve “Reference”, die eine Anhebung im Bass und ein Absenken der Höhen zur Folge hat. Das klingt einfach wärmer und angenehmer, in den meisten Ohren jedenfalls.

Ganz ähnlich ist es auch mit der berüchtigten BBC-Delle. Weil die Lautsprecher selbst für den Hausgebrauch heute wesentlich weiter sind und zumindest diese Unzulänglichkeit in der Regel nicht mehr haben, hat Audyssey den häufig als positiv wahrgenommenen Effekt einfach als Features mit eingebaut: die Mittenbereichskompensation.

Heute fällt dieser Einbruch bei 2 kHz also ganz klar in den Bereich “Sounding”. Der Hersteller will nicht, dass der Frequenzgang linear ist – weil linear eben analytisch und langweilig klingt, mehr nach “Hifi”.

Deshalb gibt es an dieser Stelle ein ganz klares Ja, man hört das! Die Einstellung hat durchaus ihre Berechtigung, die auf Jahrzehnte an Erfahrung in der Lautsprecherentwicklung zurückzuführen ist. Die Frage ist, ob es dir persönlich gefällt oder nicht.

Was ist die richtige Einstellung für die Mittenbereichskompensation?

Eine pauschale Empfehlung, die Mittenbereichskompensation auszuschalten, ist also genau genommen falsch. Im Sinne des Purismus und dem Streben nach einem möglichst linearen Frequenzgang ist sie sicher vollkommen fehl am Platz.

Einstellungen in der Audyssey App zur Mittenbereichskompensation

Aber es hat sich eben häufig gezeigt, dass viele Ohren mit Linearität nichts anfangen können und den Einbruch bei 2 kHz als angenehmer empfinden.

Deshalb kann die richtige Empfehlung nur lauten: Probiere es aus! Bei Filmen wirst du dich tendenziell schwerer tun, den Unterschied herauszuhören. Er ist da, aber die meiste Zeit über weniger deutlich wahrnehmbar. Teste die Wirkung deshalb mit Musik aus verschiedenen Stilrichtungen.

Wenn du deine bevorzugte Einstellung gefunden hast – Mittenbereichskompensation an oder aus – bleib dabei! Lass dir von niemandem einreden, das wäre falsch. Es gibt kein richtig oder falsch bei der Mittenbereichskompensation. Es gibt nur ein “mag ich” oder “mag ich nicht”.

 

 

 

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About Bert Kößler

Bert Kößler ist Gründer des Portals Heimkino Praxis, wo er sein Wissen mit Heimkino-Begeisterten aus aller Welt teilt. Neben unzähligen Fachartikeln zu allen Fragen rund ums Heimkino, bietet er dort auch Beratungsleistungen für große und kleine Projekte an.

3 thoughts on “Was bewirkt die Mittenbereichskompensation bei Audyssey?

  1. Marko sagt:

    Vielen Dank für diese Erklärung zur Midrange-Compensation, endlich wird mal der Hintergrund dazu klarer. Interessant wären an dieser Stelle bzgl. des Audyssey Setups auch die Empfehlungen zum High-Frequenzy Rolloff 1 oder 2 sowie vor allem zum Thema MultEQ Filter-Frequenzbereich: kann dadurch wirklich der viel zitierte „Vorhang beiseite gezogen“ werden und was macht die Audyssey-Einmessung für einen Sinn, wenn man deren Anwendung danach stark beschneidet?

    1. Ja, diese Themen stehen schon auf unserer Liste. 😊

    2. Sebastian Fichtner sagt:

      Moin Marko !
      Dank Ihnen weiß ich, dass ich nicht alleine stehe.
      So ein AVC ist inzwischen echt mehr PC als Verstärker.
      Ich habe mir vor knapp 2 Jahren eine komplette neue Anlage gekauft, die Stereo und Heimkino ist.
      Bis heute traue mich kaum an die Einstellungen heran.

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